Dienstag, 18. November 2025

Herbstsynode des Kirchenkreises Leverkusen: Bericht des Superintendenten, Konsolidierung und 40 Jahre Partnerschaft mit Tansania

 

Die 126. Ordentliche Synode des Kirchenkreises Leverkusen tagte am Freitag, 14. November 2025 in Leverkusen Schlebusch. 
Die Kreissynode ist das oberste Leitungsgremium des Kirchenkreises. Mitglieder sind die Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Presbyterinnen und Presbyter aller Kirchengemeinden in den Städten Burscheid, Langenfeld, Leichlingen, Leverkusen und Monheim, die Funktionspfarrerinnen und -pfarrer und berufene Mitglieder. Die Tagungen sind zweimal jährlich und öffentlich, es sei denn, die Synode beschließt Nichtöffentlichkeit in einzelnen Angelegenheiten. Rund 80 Synodale und Gäste haben an den Beratungen teilgenommen. Die Synodalen befassten sich unter anderem mit dem Bericht des Superintendenten, Wahlen und dem Haushalt.

Bericht des Superintendenten

Superintendent Bernd-Ekkehart Scholten betrachtete aktuelle Entwicklungen aus der evangelischen Perspektive. Angesichts schwieriger Haushaltslagen, bedrohtem gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie des Drucks von Rechtsaußen sei das Ansprechen von Konflikten nicht ein Problem, das es zu vermeiden gelte, sondern könne einen Schritt zur Verbesserung des Zusammenlebens bedeuten. Er warb für Diskurs und Dialog und zur Beziehungsstärkung der Verschiedenen…“nicht als staatstragende Kirche, sondern als Unterstützerin aus biblisch-christlichen Werten, für die Stärkung von Werten und Würde, für Dialog und Schaffung von Verständigungsräumen.“

Exemplarisch verwies der Superintendent auf das konkrete Wirken in unterschiedlichen Sozialräumen hin: etwa die Teilnahme von Jugendmitarbeitenden am Christopher-Street-Day in Leverkusen, die Angebote auf dem Bauspielplatz in Rheindorf, die Kita Johanneskirche in Manfort, die durch ihre gute Vernetzung im Quartier als lebendige Einrichtung für die Kinder und Eltern erlebbar ist.

Weitere Beispiele gibt es auch in Langenfeld mit dem kulturellen Engagement der Kirchengemeinden: die Nacht der Chöre (über 400 Menschen), Reusrath lacht, Klezmer, das Elias-Oratorium oder Histokids – Kinder entdecken die Geschichte ihrer Stadt.
 
Konsolidierung
Dass die Kirchensteuern rückläufig sind, ist allgemein bekannt, der Fachausschuss Verwaltung und Finanzen prognostizierte für die kommenden Jahre ein Defizit von über 700.000 Euro. In einem Synodaltag unter dem Titel: „Wozu sind wir Kirche? Vom Sinn und Zweck“ wurden die Gemeinden in einen Prozess eingebunden, der konzeptionelle Grundlagen für die künftige Ausrichtung erarbeiten sollte.

Der Kreissynodalvorstand hat mit einer Arbeitsgruppe aufgrund der Dringlichkeit Maßnahmen erarbeitet, um das Konsolidierungsziel von 702.500,00 Euro für das das Haushaltsjahr 2028 zu erreichen.

Die inhaltliche Ausrichtung und die Arbeitsfelder bleiben bestehen, es wird zum Beispiel verstärkt nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit anderen Kirchenkreisen gesucht. Die perspektivische Ausrichtung wird mit der Erarbeitung eines inhaltlichen Zielbildes im Jahr 2026 beginnen.
 
40 Jahre Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Lukajange/Tanisania

Im Herbst 1985 beschloss die die Kreissynode die Partnerschaft mit dem Church District Lukajange in der Karagwe-Diözese (Tansania). Es folgten viele Partnerschaftsbesuche, Begegnungen und Projekte. Die Besuche vertiefen die Freundschaft und das Verständnis für den Anderen. Alle vier Jahre reist eine Delegation von sechs bis acht Personen nach Lukajange, ebenso besucht alle vier Jahre im Wechsel eine Delegation aus Lukajange die Gemeinden im Kirchenkreis Leverkusen, dabei werden die Gäste bei Familien untergebracht. Die Leverkusener Delegierten sind immer wieder beeindruckt von der Fürsorglichkeit und immensen Gastfreundschaft, die sie in Tansania erfahren.

Darüber hinaus fördert der Kirchenkreis Leverkusen verschiedene Projekte, u. a.:
·       Übernahme von Schulgeldern von Kindern aus armen Familien

Bei den Patenschaften für Schüler*innen werden zur Zeit 30 Kinder in Grundschulen und 20 in weiterführenden Schulen gefördert. Es wurde ein Patenschafts-Fonds eingerichtet, der die Verteilung vor Ort übernimmt. So müssen die Paten keine dauerhafte Verpflichtung eingehen, sondern können auch einmalig spenden.
·       Unterstützung einer Berufsschule für AIDS-Waisen (Möglichkeit der Ausbildung zum Schreiner, zur Schneiderin, zur Sekretärin)
·       Aufforstungsprogramm.

So konnten von Januar 2024 bis Juni 2025 insgesamt 31.235 Baumsetzlinge gepflanzt werden, darunter 3.640 Setzlinge von Obstbäumen.

Zugleich gibt es ein begleitendes Bildungsprogramm, damit die künftige Ernten erfolgreich sind:
Wie muss der Boden vorbereitet werden? Wann muss gepflanzt werden? Welche Standorte sind geeignet? So wird bei Obstbäumen darauf geachtet, dass sie mit den Bananenplantagen kompatibel sind, wie etwa Orangen, Mango oder Papaya.
·       Finanzierung von Wellblechdächern bei Neubauten (Kirchen, Gemeindezentren, Kindergärten)

Außerdem ermöglichen Mikrokredite für Frauengruppen in den Gemeinden in Lukajange als Anschubfinanzierung die Verwirklichung von kleinen Geschäftsideen, wie zum Beispiel Beton-Dekor-Elemente für Bauzwecke. Die Ideen reichen von einem Markstand zum Obst- und Gemüse-Verkauf bis hin zur Anschaffung einer Popcorn-Maschine.

Mit den Krediten werden die Investitionen vorfinanziert. Arbeit und Erlös werden in der Gruppe aufgeteilt. Die Rückzahlung erfolgt nach einem halben Jahr mit kleinem Zinssatz. Das Geld steht dann der Gruppe wieder zur Verfügung, die es selbst verwaltet und darüber berät, in welches Projekt das Geld in der nächsten "Runde" fließen soll.

Der Beschluss der Herbstsynode vor 40 Jahren wurde übrigens per Telegramm nach Lukajange gesandt. Heute ist die Kommunikation mit Mails, gemeinsamen Zoom-Sitzungen oder wechselseitigen Andachten per WhatsApp zum Glück viel einfacher geworden.